Matthias Lohre hat in der taz zu meiner Person berichtet. Der umfängliche Beitrag wird hier in Auszügen wieder gegeben. Er ist um die Passagen gekürzt, die derzeit wegen falscher Tatsachenbehauptungen des Autors und der dadurch eingetretenen Verletzungen der Persönlichkeitsrechte Dritter zwischen ihm und mir in der Diskussion sind.
Als der Zirkus den Maulwurf jagte
HAUPTSTADT Wikileaks enthüllt im Dezember Berichte von US-Diplomaten.
Eine Quelle der Amerikaner ist Helmut Metzner, der Büroleiter des
FDP-Chefs. Für eine Woche wird das die Mediensensation: Spitzel!
Spionage! Wie ein Mensch seine Laufbahn und seine zweite Familie verlor
Wenn dieser kleine Mann ins Plaudern gerät, kommt viel zusammen. In
einem Atemzug spricht er von Demütigungen durch die Medien, von der
geliebten FDP und einem blau-gelben Hasenkostüm. In fast jeden Satz baut
er einen Scherz ein, und häufig findet er allein ihn lustig. Dann lacht
er ein Lachen, das an Donald Duck erinnert, ein eckiges “He, he, he”.
Eigentlich gibt Helmut Metzner eine miserable Besetzung ab für die Rolle
des geheimnisvollen Informanten. Trotzdem haben die Medien ihn als
“FDP-Maulwurf” bekannt gemacht, als einen, der womöglich Geheimes
ausplauderte und den Außenminister in Bedrängnis brachte. Schaut man
genau hin, geht es in dieser Geschichte nicht um Spionage. Es geht um
Macht, eine Partei in Panik und Medien im Rausch.
Montag, 29. November 2010. Für Helmut Metzner beginnt die Geschichte
damit, dass er den Spiegel sucht. Es ist 8.50 Uhr, und die
Parteizentrale der FDP in Berlin-Mitte, hat kein Exemplar bekommen.
Dabei soll es in der Titelgeschichte auch um die FDP gehen, hat Metzner
gehört. Er läuft durch die Winterkälte zum Kiosk um die Ecke. Auf dem
Magazin-Titel prangt “Enthüllt. Wie Amerika die Welt sieht - Die
Geheim-Berichte des US-Außenministeriums”. Köpfe deutscher und
internationaler Politiker sind zu sehen, darunter Merkel, Sarkozy und
Putin. Auch der Mann, dessen Parteivorsitzendenbüro Metzner seit fünf
Monaten leitet: Guido Westerwelle.
Die Spiegel-Geschichte, wird Metzner später sagen, habe er an diesem
Morgen nur überflogen. Keine Zeit, weil er schon ab 9 Uhr teilnahm an
den Sitzungen von Präsidium und Bundesvorstand seiner Partei. Keine
Zeit, darüber nachzudenken, wer dieser “geheimnisvolle Informant” sein
soll, der als “Protokollant” eifrig “Interna schwarz-gelber
Koalitionsabsprachen im Oktober 2009 an die Amerikaner” weitergab, wie
das Magazin schrieb. Keine Zeit, sich zu fragen, ob vielleicht er selbst
gemeint sein könnte. Keine Zeit? Ahnte er an jenem Morgen wirklich
nichts von der Sprengkraft, die diese Zeilen für die FDP hatten und für
ihn? Ahnte er nicht, dass ein medialer Sturm aufkam, und dass er direkt
auf ihn zuraste?
Helmut Metzner bestellt einen Darjeeling. Er hat viel zu erzählen. “Ich
bin Anfang vierzig”, sagt er. “Für die Amerikaner heißt ,jung und
aufstrebend’ etwas anderes als für Deutsche.” Für die Mitarbeiter der
US-Botschaft, die Zusammenfassungen der Gespräche mit ihm nach
Washington schickten, mag er ein junger Aufsteiger gewesen sein. Aber
gemessen an anderen Politkarrieren in Deutschland? “Ich fühlte mich
nicht angesprochen”, sagt Metzner. Seine Stimme ist hell, statt der im
Dezember berühmt gewordenen Fliege trägt Metzner eine Krawatte. Samstag
bis Donnerstag sind Fliegentage, aber Freitag ist Krawattentag. Helmut
Metzners Exzentrik hat ihre Ordnung. (Was Journalisten so alles wissen und für wichtig halten; Anmerkung HM)
Der Sturm, der ihn erfasste, hat ihn fortgetragen aus der FDP-Zentrale
in Berlin-Mitte. Nun, einige Monate später, sitzt er nur wenige
Kilometer westlich, in einem gediegenen Café in Berlin-Charlottenburg.
Er blickt zurück auf das, was er verloren hat: seine politische Heimat,
seine Karriere, seine Kollegen.
Metzner versucht, das Geschehene zu rationalisieren. Seine Erlebnisse
unterteilt er in Daten, eine Abfolge von Schriftwechseln,
Pressemitteilungen und Zeitungsberichten. Aber rational lässt sich das,
was in der ersten Dezemberwoche 2010 geschehen ist, nur bedingt erklären.
An jenem Montag, an dem der Spiegel erstmals über die
Diplomatendepeschen berichtet, tritt Guido Westerwelle gegen 13.30 Uhr
im Thomas-Dehler-Haus vor die Presse. Er bemüht sich, die
Wikileaks-Geschichte kleinzureden, spricht von seiner bevorstehenden
Reise zum EU-Afrika-Gipfel in Tripolis. Für die Hauptstadtjournalisten
ist Libyen zu diesem Zeitpunkt nur eines dieser Länder, über die nichts
zu wissen auch nichts schadet. Als Journalisten ihn auf den
“Protokollanten” ansprechen, sagt der Parteichef: “Ich glaube diese
Geschichte so nicht.” Zudem: Was der Spiegel als sensibles, an die USA
verratenes Insiderwissen verkaufe, entspreche eher dem Stand von
“Zeitungskommentaren”. Westerwelle setzt ein Lächeln auf, das
Gelassenheit ausstrahlen soll und schüttelt den Kopf: “Das ist so
unbedeutend.”
Intern ist die FDP-Führung dagegen aufgescheucht. Rainer Brüderle
schlägt vor, von allen infrage kommenden Mitarbeitern eidesstattliche
Versicherungen zu verlangen. Westerwelle lehnt ab. Die eigenen
Parteifreunde - schuldig bis zum Beweis des Gegenteils? Schließlich
kündigt er an, dass mit den fraglichen Mitarbeitern Gespräche geführt
würden. Die Suche nach dem “Informanten” beginnt.
Als Westerwelle in der Parteizentrale vor der Presse steht, betritt
Helmut Metzner drei Stockwerke darüber sein Büro. Er setzt sich an
seinen Schreibtisch und liest bei Wikileaks in den Berichten der
US-Botschaft vom Herbst 2009. Nun erst dämmert ihm: Der “Protokollant”
der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP, der Vertrauliches
ausgeplaudert haben soll - damit ist er gemeint.
Der Maulwurf muss weg
Von seinem Schreibtisch aus kann Metzner auf eine kleine Straße blicken.
Eigentlich ist sie eine lärmende Baustelle mit Schutt, Kränen und
Zäunen. Die Straße heißt “Am Zirkus” und führt zu einem
traditionsreichen Theater, dem Berliner Ensemble. Zirkus - das passt zum
Hauptstadtbetrieb der schrillen Ankündigungen, der lauten Auftritte, der
Sucht nach Applaus. Es passt zu den Zuschauern, die nah dran sein wollen
an der Sensation, die Abwechslung wünschen, von den Artisten Perfektion
erwarten. Aber auch den Patzer goutieren sie.
Und den Sturz.
Was in den folgenden Dezembertagen geschieht, wer wann mit wem redet,
wer wann was weiß - darüber möchten die anderen Beteiligten am liebsten
schweigen. Die Bundesgeschäftsführerin der FDP will sich nicht äußern,
richtet der Pressesprecher der Partei aus. Dort ist man froh, zumindest
einen Unruheherd ausgetreten zu haben, sie haben ja genug davon. Auch
Metzner hält sich zurück. So viel aber lässt sich sagen über jene Tage:
Während die Partei nach außen Gelassenheit verbreiten wollte, aktiviert
sie intern eine Art Immunabwehr. Der “Maulwurf”, wie er von nun an
genannt wird, muss weg. Die Partei ist ohnehin angeschlagen wie seit
fast einem Jahrzehnt nicht. Durch ein nicht eingelöstes
Steuersenkungsversprechen für Arbeitnehmer und ein eingelöstes für
Hoteliers. Durch einen Parteichef, der behauptet, all die Unterstützung
für Arme führe zu “spätrömischer Dekadenz”.
Zum Gespräch zwischen Westerwelle und Metzner kommt es am Montag nicht
mehr. Der Außenminister fliegt nach der Pressekonferenz in dieses Land,
das da noch keinem Journalisten eine Frage wert ist, Libyen. Auch in den
Tagen darauf, sagt Metzner, habe er den Parteichef nicht gesprochen.
“Als Politikberater kann ich nachvollziehen, dass Guido Westerwelle
nicht persönlich mit mir sprechen wollte.”
Dienstag, 30. November. Von der “Geschichte mit dem Maulwurf” schreibt
die Süddeutsche Zeitung an diesem Tag. Der SZ-Redakteur Hans Leyendecker
urteilt: Bei geheimen Gesprächen unter Diplomaten gehe es mitunter um
Leben und Tod. Verglichen damit seien die Gespräche der Koalitionsrunde
“Geschichten vom Kindergeburtstag”.
Kurt Beck von der SPD gibt sich empört: “Nicht nur Amerika hat ein
Sicherheitsproblem beim Datenschutz”, es gebe offenbar auch in
Deutschland jemanden, der “aus tiefster Kenntnis heraus” berichtet habe.
In seinem Büro schreibt Metzner eine “Stellungnahme zum Sachverhalt” für
das geplante Gespräch mit Westerwelle oder einem Vertreter. Zehn Punkte.
Sie sollen das Chaos ordnen. Ja, er habe mit Mitarbeitern der
US-Botschaft gesprochen, auch mit denen anderer Botschaften. Aber
Kontakte mit Vertretern anderer Länder, die seien bereits seit 2004
schlicht sein Job gewesen als Leiter der Abteilung Strategie und
Kampagnen in der Parteizentrale. Metzner sagt: “Ich habe damit deutlich
gemacht, dass ich zu keiner Zeit Geheimnisse ausgeplaudert und
Geheimdokumente angeboten oder gar ausgehändigt habe.”
Eine juristische Vorsichtsmaßnahme. Doch noch vertraut der Mann im
Fadenkreuz der Solidarität seiner Partei. Ist er ihr gegenüber nicht
immer treu gewesen? “Ich hab nicht mal Punkte in Flensburg”, sagt
Metzner. Auch wegen seiner Korrektheit hat die Partei ihn zum Büroleiter
des Vorsitzenden gemacht.
Als die “Maulwurf”-Debatte aufkommt, streuen Westerwelles Leute, der
Büroleiter habe nicht viel mehr getan, als den Terminkalender des
Vorsitzenden zu verwalten. Je größer der Skandal wird, desto kleiner
reden sie Metzners Rolle in der FDP.
Am Dienstagabend läuft eine bizarre Veranstaltung. Beim
“Journalistenadvent” in der FDP-Zentrale plaudern Medienleute, die seit
einem Jahr die Partei kritisieren, mit Freidemokraten. Ein Arbeitstermin
in der Verkleidung eines netten Beisammenseins. Eine Frage geht um: Wer
ist der Maulwurf? Metzner flaniert durch die Reihen. Niemand habe
gefragt, ob er der Gesuchte sei, sagt er heute.
Auch Martin Biesel ist da, ein stämmiger Endvierziger mit dem Ruf eines
Workaholic. Er war Metzners Vorgänger als Büroleiter des Parteichefs.
Nach der Bundestagswahl 2009 nahm Westerwelle ihn mit ins
Außenministerium und machte ihn zum Staatssekretär. Nun soll
Westerwelles rechte Hand die Gespräche mit den FDP-Mitarbeitern führen.
Journalisten behaupten, Biesel habe ihnen schon am Dienstagabend gesagt,
er habe einen Verdacht, wer der redselige Parteifreund sei. Metzner
sagt, Biesel und er hätten an jenem Abend nicht miteinander gesprochen.
Und Biesel selbst? Das Auswärtige Amt, in dem der Staatssekretär
arbeitet, verweist auf die FDP. Und diese schweigt.
Mittwoch, 1. Dezember. Spiegel Online schreibt an Tag drei des Skandals:
“Ärger über US-Informant - Spitzel-Drama entzweit FDP”. Brüderles
Forderung, die Mitarbeiter müssten ihre Unschuld erklären, wird
öffentlich. Der Druck wächst.
Aus dem “aufstrebenden Parteigänger”, von dem die Medien berichtet
haben, wird der “Spitzel”. Das suggeriert, der Gesuchte habe im Auftrag
der US-Botschaft die Koalitionsverhandlungen ausgehorcht. Beweise dafür
werden nicht geliefert. Doch das ist egal. Die Wikileaks-Affäre wandelt
sich, auch weil die Berichte aus Deutschland wenig Skandalöses bieten,
zur FDP-Affäre. Zur Westerwelle-Affäre.
Dieser Mittwoch ist ein erstaunlicher Tag. Der mediale Sturm tobt, und
mittendrin scheint die Partei stillzustehen. Es gibt kein Gespräch mit
Metzner. Dieser Mittwoch ist der letzte Tag, an dem er sich einreden
kann, alles könne gut werden. Denn bislang war die FDP ja gut zu ihm. Er
hat dort eine politische Familie gefunden. Heimat.
Die FDP ist seine Liebe
Helmut Metzner, 42 Jahre alt, stammt aus Bamberg in Oberfranken. Er ist
das siebte von neun Kindern. Seine Mutter ist mittlerweile 74 Jahre alt,
sein Vater tot. Als Teenager ist Metzner mal in der CSU. Ein Fehler.
Zwischen Männern, die im Bierzelt schwitzend Franz Josef Strauß
bejubeln, hält er es nicht lange aus. Auf seiner Internetseite schreibt
er später: “Ich verließ die CSU, trat zur FDP über, weil deren
Bekenntnis zur Freiheit des Einzelnen in allen Lebensbereichen genau
meiner Lebenshaltung entspricht. Bei den Liberalen kann ich sein wie ich
bin.”
(…)
Metzner arbeitet sich hoch bis zum Kreis- und stellvertretenden
Landesvorsitzenden.
(…)
Denn Metzner ist Teil dessen, was schnell als “Spaßfraktion” bekannt
wird: die Generation Westerwelle, die seit den Neunzigern dem
Bedeutungsverlust der Partei mit professioneller Produktwerbung
begegnet. Der Wiederaufstieg der FDP führt auch zum Aufstieg des
Kleinbürgerkindes Helmut Metzner.
Donnerstag, 2. Dezember. Gegen 11 Uhr kommt Metzner in Biesels Büro im
Auswärtigen Amt. Eine merkwürdige Situation: Ein deutscher
Staatssekretär befasst sich mit Parteiangelegenheiten. Aber Westerwelle
vertraut nur wenigen und er vertraut Biesel. Metzner übergibt Biesel
seine schriftliche Stellungnahme, in der er erklärt, mit den Amerikanern
gesprochen, aber keine Geheimnisse verraten zu haben. Jetzt weiß die
Partei offiziell: Metzner ist der Gesuchte.
Nun geht es schnell. Am eiligsten ist die Frankfurter Allgemeine
Zeitung. Um 15.53 Uhr meldet die Nachrichtenagentur AFP: “,FAZ’:
Westerwelles Büroleiter informierte US-Botschaft”. Die FDP schickt eine
Mitteilung hinterher: “Der Mitarbeiter der FDP-Bundesgeschäftsstelle,
der jetzt seine Gesprächskontakte zur US-Botschaft offenbart hat, ist im
gegenseitigen Einvernehmen von seiner bisherigen Funktion als Büroleiter
des Bundesvorsitzenden der FDP entbunden worden.”
Metzner zieht seine Mundwinkel, die meist ein Lächeln formen, nach
unten. Ein Ende in “gegenseitigem Einvernehmen” nach 23 Jahren FDP? “Ich
war verärgert, auch enttäuscht. Die Behauptung, ich hätte mich
,offenbart’, suggeriert ja, ich hätte ein Geständnis abgelegt. Das habe
ich nicht. Wo kein Vergehen, gibt es auch nichts zu gestehen.”
Von jetzt an, versteht Metzner, ist sich jeder selbst der Nächste. Am
Nachmittag kehrt er in sein Büro zurück. Er nimmt persönliche
Informationen von seiner Seite www.MunterMacherMetzner.de. Aber er ist
langsam in technischen Dingen, viele Journalisten sehen noch die Fotos
von einem Fliegenträger mit Gelfrisur, ein paar lustig gemeinte
Einträge, dazu ein Lebenslauf. Was einige Journalisten dann daraus
machen, sagt wenig über Metzner - und viel über sie.
Am Abend telefoniert der Gejagte mit seiner Mutter und allen
erreichbaren Geschwistern. Mehrere Fernsehsender haben sich bei ihnen
gemeldet. Metzner sagt seiner Familie: Wenn weitere Medien anrufen,
verweist sie an die FDP-Pressestelle. Manche Verwandten sind besorgt,
andere belustigt: Der Helmut soll ein Spion ein? Ausgerechnet Helmut!
Freitag, 3. Dezember. Der Vizechefredakteur der Welt, Ulf Poschardt,
schreibt: “Helmut Metzner wirkt wie eine Karikatur jener Figuren, mit
denen die FDP-Aversion am Stammtisch gepflegt wird. Dort (und wohl auch
in der Opposition) wartet man nur auf derlei Vorlagen.”
Homophobes Rumoren
Dirk Niebel und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verteidigen den
Gejagten öffentlich. “Das war kein Maulwurf”, sagt der
Entwicklungsminister, der Metzner gut kennt. Die Justizministerin
urteilt: “Das ist keiner, der interne Papiere rausträgt.” Aber es ist zu
spät. Metzner geht an diesem Tag nicht mehr zur Arbeit. Gegen Mittag
mailt sein Anwalt einen Schriftsatz an Gabriele Renatus, die
Bundesgeschäftsführerin der FDP. Metzner ist zu diesem Zeitpunkt nur
beurlaubt, nicht entlassen.
(…)
Sonntag, 5. Dezember. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
schreibt über Forderungen aus der FDP an Generalsekretär Christian
Lindner. Der Cheforganisator der Partei solle sich von “Machenschaften”
lösen. Angeblich gebe es homosexuelle Seilschaften in der Partei.
Natürlich hat die FDP schwule Mitglieder. Bürgerliche, denen die Grünen
mit ihrem Weltverbessererimage nicht behagen, und denen die Union zu
piefig erscheint. Metzner ist seit 2009 Vorstandsmitglied beim Lesben-
und Schwulenverband.
Metzner und Westerwelle kennen sich von den Jungen Liberalen. Der eine
war der Chef, der andere Funktionär aus Bayern. Er sei aber nie ein
Westerwelle-Vertrauter gewesen. “Unsere Zusammenarbeit war
professionell”, sagt Metzner. “Seit ich in Berlin für ihn gearbeitet
habe, habe ich ihn mit ,Sie’ angesprochen.”
Tatsache ist: Niemand hat bis heute Beweise veröffentlicht, dass
FDP-Funktionäre einander mit Posten oder Mitteln versorgt haben, nur
weil sie dieselbe sexuelle Orientierung teilen.
(…)
Drei Tage darauf treffen sich Metzner, sein Anwalt und Abgesandte der
FDP in einer Berliner Anwaltskanzlei. Einen Prozess vor dem
Arbeitsgericht will sich die Partei ersparen. Eine vertrauliche
Vereinbarung wird aufgesetzt, Metzner ist jetzt kein Mitarbeiter der
Parteizentrale mehr. Ob Geld geflossen ist, will er nicht sagen. Erst
Mitte Februar 2011 stellt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ihre
Vorermittlungen ein. Er steht nicht mehr im Verdacht, Landesverrat
begangen zu haben.
Helmut Metzner trinkt seinen kalt gewordenen Darjeeling. Hat er seit
Ausbruch des Skandals mit Guido Westerwelle gesprochen? “Nein”, sagt er.
“Ich muss mich nicht erniedrigen. Ich wüsste nicht, was es zu
diskutieren gibt. Ich komm nicht wie ein Dackel an. Das hat Herr
Westerwelle auch nicht getan.”
Dann packt der kleine Mann seine Aktentasche in FDP-Gelb, seine
Handschuhe, seinen Schal. In der Parteizentrale in Berlin-Mitte machen
jetzt andere seinen Job. Westerwelle wird als Parteichef abtreten. Die
Baustelle “Am Zirkus” lärmt noch immer.
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